Das ist der Hammer: Bohrmaschine gesucht!

Ich will eine Bohrmaschine kaufen: nur welche? Was muss sie können und was darf sie kosten? Eine unerwartet langwierige Geschichte mit Enttäuschung im Fachhandel.

Kann es denn so schwer sein, eine Bohrmaschine zu kaufen? Dieses in den Augen Vieler unverzichtbare Gerät und, so scheint es fast,  elektromechanische Instrument heimwerkerlicher Mannwerdung fehlt – mir und meiner „Werdung“ in meinen Augen gar nicht, aber meinem Werkzeugarsenal dann doch, denn in die Wände unserer Wohnung lassen sich Nägel schlicht nicht schlagen. Dass es eine normale Bohrmaschine nicht sein darf, sondern eine Schlagbohrmaschine, war klar. Auf der ungetrübt optimistischen Suche kam der Begriff „Bohrhammer“ hinzu, und damit begann die Schwierigkeit, ein Gerät auszusuchen, das nicht völlig überdimensioniert einem vermeintlichen handwerklichen Geltungsbedürfnis entspringt, das aber ebensowenig einer demonstrativ sparsamen und pseudo-realistischen Zurückhaltung wegen deutlich zu leistungsschwach ausgewählt wird. In einer Liga von rund 180 Euro bewege ich mich derzeit, und ich schränke meine Suche willkürlich auf die Marke BOSCH ein. Besser ist das, sonst würde ich im Dickicht der Marken von Dewalt bis Fein, von Makita über Milwaukee bis Hilti völlig die Orientierung verlieren. Es reicht, zwischen „GSB“ und „GBH“ planlos den Kopf zu schwenken. Zusätze wie DFR, DRV, RE, RCT u.a. konnte mir der Mitarbeiter des Superwerkzeugfachhandels auch nicht erklären. Dort, so war ich fest entschlossen, wollte ich gestern eine Bohrmaschine kaufen, nicht im Baumarkt, wo ich mangels Ansprache mehrfach um ein Gespräch mit Personal herumgekommen war, und nicht im Internet, beispielsweise bei Amazon. Dort nämlich bestellen laut Fachhandelsverkäufer alle Kunden, die sich wie ich vor Ort beraten lassen, Preise vergleichen und dann von dannen ziehen. Bloß günstigst kaufen, durchaus ein pathologischer Umtrieb und ein eigenes Thema wert. Dass ich Preise einzelner Geräte im Notizzettel meines iPhones notiert hatte, machte mich bald verdächtig. Dass ich normalerweise im Internet recherchiere, mich vorinformiere um dann im stationären, analogen Geschäft zu kaufen, kam dem Herren mit den magnetisch aneinander haftenden Brillenhälften nicht in den Sinn. Ob ich noch mal die Gelegenheit haben werde, ihm das bei meinem Kauf zu erläutern, weiß ich nicht. Denn das Gespräch mit ihm hat mich – bedauerlicherweise! – tatsächlich auf die Idee gebracht, online zu kaufen. Denn keine wirkliche Beratung bekomme ich auch im Netz, allerdings muss ich mir dort nicht unwissend, ja regelrecht dumm und naiv vorkommen. Es bedurfte einer gewissen bewussten Gelassenheit, nicht bald das Weite zu suchen. Wie Bohrhämmer funktionieren, und was sie technisch vom Schlagbohrer unterscheidet, wusste ich nicht; auch nicht, was SDS ist, geschweige denn in der Variante „max“ oder „plus“. Woher auch? Und warum auch, zum Teufel?! Als ich die Schlagbohrmaschine meines Vaters (ich glaube, es war eine blassblaue AEG, mit Hammer-Symbol und Bohrer-Symbol an einem Umschalter, und in Kinderohren beängstigend laut) zuletzt in den Händen hielt,  wurde der Bohrer noch mit Hilfe eines Bohrfutterschlüssels arretiert, und ich wurde unterwiesen, darauf zu achten, dass der auch senkrecht im Futter sitzt und nicht „eiert“. Das ist auch schon mindestens 25 Jahre her.

Zurück zu meiner ungelösten Aufgabe: unbefriedigt, fasst schon etwas unglücklich über die nicht erfolgte Ausrüstung mit dem begehrten und im Haushalt auch benötigten Gerät, fuhr ich wieder nach Hause. Ein schlechtes Gewissen hatte ich obendrein, denn meiner Frau hatte ich versprochen, endlich das Windlicht an der Balkonwand zu befestigen (auch hier ein Nagelkiller, nur mit Hammer und Metallstift aussichtslos), die Pinnwand aufzuhängen und dies und das zu erledigten, was ich wegen fehlenden Werkzeugs bislang aufschieben konnte. Nächster Schritt: zurück ins Internet, auch zu Amazon und auf die Website von BOSCH. In Foren gibt es Rat, aber auch der ist für mich nicht eindeutig nachvollziehbar. Ich will doch in den Fachhandel, ich suche das persönliche Gespräch und ich möchte mit jemandem Reden, der mir eine eindeutige Empfehlung macht und mir letztlich tatsächlich auch etwas verkauft. Fast wäre es am Samstag Vormittag ein „GSB“ geworden, aber auf den Hinweis, dass mir der Magnetbrillenmann dann auch noch Bohrer verkaufen müsse, kam der Hinweis, dass es für das klassische, alte Bohrfutter nur sehr wenig Auswahl gebe – die meisten Einsätze seien schon für SDS-Systeme gemacht, mit den länglichen Rillen am Schaft, wegen der Beweglichkeit im Zusammenspiel mit dem Hammerwerk. Dass ein zweites Bohrfutter notwendig sei, wenn ich mal in Holz oder Metall bohren will, oder in eine Mauer ohne zu hämmern, hat mich vollends verwirrt. Hammerwerk abschalten allein reiche nicht aus, erfuhr ich. Mangels konsistenter Erklärungen und dem Willen, sich mir und meiner Unwissenheit mit etwas mehr Zuneigung zu widmen, als das bei den sicherlich normalerweise fragenfrei einkaufenden Profis erforderlich ist, kam ich nicht ans Ziel, und so bin ich immer noch auf der Suche nach der Antwort auf meine Frage, welche Schlagbohrmaschine ich sinnvollerweise kaufen soll. Vielleicht schreibe ich morgen mal dem Hersteller oder rufe dort an. Könnte ja sein, dass die Mitarbeiter von BOSCH selbst die eine oder andere hilfreiche Idee dazu haben. „It’s in your hands“, um es mit ihren eigenen Worten zu sagen.

Da Probieren bekanntlich über Studieren geht, habe ich zwei alte Maschinen bei einem Freund geliehen, um damit erste eigene Dreh-Drück-Versuche in vivo zu machen.

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Ich hoffe, dass die Praxis hilft, eine gute Entscheidung zu treffen. Sollte die Umsetzung, d.h. auch der Umsatz, dann im Netz erfolgen, so hat es der Fachhandel in diesem Fall mal wieder nicht besser verdient. Der größte Feind des Einzelhandels ist der Einzelhandel selbst, wie mir immer wieder scheint.

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