Laube. Liebe. Hoffnung?

Laube. Liebe. Hoffnung? Lokal-Termin in Frankfurt.

Laube:

Ein ungewöhnlicher Bau in etwas gewöhnungsbedürftiger Umgebung der Trabantenstadt auf dem früheren Güterbahnhofsgelände. Ganz schick, wahrscheinlich auch „cool“, mit offener Küche, schmal und länglich, und wahrscheinlich in kalten Jahreszeiten auch gemütlich. in der Sommerhitze sitzt man ganz angenehm draußen, auf schweren Stühlen und unter Sonnenschirmen; mit der Dämmerung kommt angenehme Beleuchtung dazu. Die Location gefällt, wir haben uns bezüglich der äußeren Rahmenbedingungen wohl gefühlt.

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Liebe:

Der erste direkte Kontakt zum Personal ist der telefonische, um anzufragen, ob der für 20:30 Uhr online reservierte Tisch schon früher zur Verfügung stünde. Die Dame spricht deutllich, nennt ihren Namen und ist sehr nett – ein sehr guter Auftakt! Man können es nicht versprechen, würde es aber versuchen, ein freier Tisch ggf. 30 Minuten vorher sei machbar, gerne könne man die Wartezeit mit einem Aperitif an der Bar verbringen. Auch die Begrüßung ist gut, die für die Reservierung und Platzierung zuständige Mitarbeiterin ist im persönlichen Kontakt nett, gut gelaunt, zupackend und sympathisch. Wir bekommen einen Tisch, werden über den Abend hinweg gut bedient und fühlen uns in Sachen Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, d.h. in puncto Service gut bedient. Besonders erwähnenswert finde ich, dass wir alle Weine probieren durften, die uns zum Essen interessierten. Anstandslos, man hätte auch noch ein oder zwei weitere Probiergläser gebracht, damit wir den richtigen Wein finden. Die Weinauswahl ist hinsichtlich Auswahl und Preise angemessen und bietet unbekannte(re) Weine abseits vom Mainstream der (Frankfurter) Gastronomie.

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Hoffnung:

Der Laden: check! Die Leute: check! In der B-Note gibt’s hohe Punktzahlen und durchweg vier Sterne. Es gibt allerdings einiges in unserer Wahrnehmung, bei dem deutliches Verbesserungspotential besteht – leider auch und vor allem in der Disziplin, die für die A-Note die wichtigste ist: Essen.

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Gleich vorweg: es war einiges gut, manches ok, anderes inakzeptabel.

Die Tomatenkaltschale erweist sich als lecker, in ihrer schieren Menge (Gemüse, so viel Gemüse!) als unbezwingbar und sättigend, dass das als kalter Hauptgang anzubieten wäre. Gut gemeint, ich will Sparportionen nicht das Wort reden, aber das war zuviel, auch ein bisschen zu scharf auf Dauer.

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Die Zuckererbsensupper war sehr lecker, ich habe nichts auszusetzen, außer dass diese auch an einem Tag brütender Hitze hätte heißer sein müssen.

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Zu den Hauptspeisen: Kalbsleber in dünnen Scheiben, weich und saftig. Prima. Aber der Rest! Und das Anrichten! Ein riesen Haufen, seitlich das Pürree, hinten die Leber, dazwischen wiederum etwas, das wohl gut gemeint, leider im Ergebnis aber übertrieben und untauglich wirkt: kleine Perlzwiebeln sind eine gute Idee, finde ich, um von der „normalen“ Zwiebel zur Leber abzuweichen. Apfel dazu? Ich mag’s nicht, aber die hier untergemischten Scheiben lasse ich mir gefallen. Zuviel wird’s spätestens mit den Trauben, also eigentlich Wein- oder Tafelbeeren, riesig, dafür halbiert aber immer noch zu groß, und viele davon. Zu viele. Eine kleine Strauchtomate dekoriert, begleitet von Sprossen, Süßkartoffelchips (nicht knusprig) und einer Blüte. Die gab’s zuvor schon in der Suppe und in der Kaltschale (eine andere, weiße Blüte), und auch dieses Detail ist des Guten zuviel. Überlasst doch diese (schmucken!) Tellergirlanden den Thailändischen Restaurants. Was fehlt? Mehr von der leckeren Sauce! Eine Kalbsleber, die überinterpretiert wird, mit zuviel von fast allem und einem Geschmackserlebnis, das nicht schlüssig ist.

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Die größte Enttäuschung (im wörtlichen Sinne) war die „Abendempfehlung“. In einem uns unbekannten Lokal würde wir nie das teuerste Essen bestellen, und wenn uns unsere Erinnerung nicht täuscht, bekamen wir mit dem zweiten Hauptgang genau das: das teuerste Essen. Flussbarsch auf Risotto für 28 Euro, mit Pilzen und Erbsen (!?), einer gelben und einer grünen Sauce und einem weißen Schaum, eher einem Schäumchen, das wir wohl zeitgemäß als „Espuma“ bezeichnen müssten. Abgesehen vom Preis an sich, über den man noch diskutieren könnte und nach dem wir uns – Auswahlverschulden, würde der Jurist sagen – leider schlicht nicht erkundigt hatten, ist das Hauptproblem das der Preiswürdigkeit, die nicht gegeben ist. Auch dieser Teller ist ein Beispiel des „zuviel“, leider aber auch des „nicht gut“: das Risotto ist keins. Punkt. Das ist eine Reisbeilage, für die man bei einer italienischen Hausfrau bestenfalls ein mitleidiges Lachen erhält. Mit der Mischung aus Hülsenfrüchten und Pilzen ergab sich auch hier kein „ach ja“, „oh, gut“, „hmm, wie lecker“ oder „hätt’ ich nicht gedacht, das merke ich mir“. Es war gelinde gesagt nicht schlüssig. Das schlechteste zum Schluss: der Fisch. zu trocken, zu lange gegart. Leider. Nicht schlecht, und wir hätten das ganze zurückgeben können, ja. Wollten wir aber nicht, weil wir keine Lust auf Reklamation, Rechtfertigung und Wartezeit hatten. Dafür sind 28 Euro schlicht nicht in Ordnung, weswegen wir die unvorsichtige Wahl der Abendempfehlung reuen.

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Der Molitor-Sekt (0,1 für 6,50 Euro) enttäuscht, da gäbe es im Rheingau besseres und günstigeres, auch wenn der Winzer keine 100 Punkte hat), ein „Lillet Berry“ für 7,50 Euro ist womöglich angemessen, wenn man sich in der Gastro umschaut, ebenso die 7,30 Euro für eine Flasche „BlackForest“ Mineralwasser. So richtig freundlich fanden wir keinen der Preise, Lust auf mehr kommt kaum auf, und es wäre schön, wenn der Espresso zum Schluss seinen Namen verdiente. Zuviel auch hier, leider sauer und überextrahiert, keine Crema – für 2,20 Euro nicht teuer, aber für die Qualität des Produkts leider auch nicht angemessen.

Zwei weitere Kleinigkeiten: die Baulampen an den Stufen der Terrasse weichen ja vielleicht bei Gelegenheit noch moderneren und schickeren Exemplaren, wie sie im Turm des Gebäudes zu sehen sind (LED?). Und ein kleines Gebläse zum Trocknen der Hände im WC ist in meinen Augen nicht zeitgemäß, hält auf und nervt. Vielleicht kann man hier mal Papierhandtücher vorhalten, wenigstens ergänzend. Wenn das Konzept wirtschaftlich aufgeht, sollte dafür Geld übrig sein.

Wir sind ent-täuscht von unserem ersten Besuch. Ob wir wiederkommen, wissen wir noch nicht. Aber irgendwie wäre es schon toll, wenn „Laube Liebe Hoffnung“ ein lohnendes Ziel wäre. Es hatte so gut angefangen. Und einen so langen Text schreibe ich irendwie auch, weil ich mir wünsche, dass die Menschen der Laube ihre Liebe noch ein bisschen ausbauen und uns Gästen Grund zur Hoffnung geben.

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