Das ist der Hammer: Bohrmaschine gesucht!

Ich will eine Bohrmaschine kaufen: nur welche? Was muss sie können und was darf sie kosten? Eine unerwartet langwierige Geschichte mit Enttäuschung im Fachhandel.

Kann es denn so schwer sein, eine Bohrmaschine zu kaufen? Dieses in den Augen Vieler unverzichtbare Gerät und, so scheint es fast,  elektromechanische Instrument heimwerkerlicher Mannwerdung fehlt – mir und meiner „Werdung“ in meinen Augen gar nicht, aber meinem Werkzeugarsenal dann doch, denn in die Wände unserer Wohnung lassen sich Nägel schlicht nicht schlagen. Dass es eine normale Bohrmaschine nicht sein darf, sondern eine Schlagbohrmaschine, war klar. Auf der ungetrübt optimistischen Suche kam der Begriff „Bohrhammer“ hinzu, und damit begann die Schwierigkeit, ein Gerät auszusuchen, das nicht völlig überdimensioniert einem vermeintlichen handwerklichen Geltungsbedürfnis entspringt, das aber ebensowenig einer demonstrativ sparsamen und pseudo-realistischen Zurückhaltung wegen deutlich zu leistungsschwach ausgewählt wird. In einer Liga von rund 180 Euro bewege ich mich derzeit, und ich schränke meine Suche willkürlich auf die Marke BOSCH ein. Besser ist das, sonst würde ich im Dickicht der Marken von Dewalt bis Fein, von Makita über Milwaukee bis Hilti völlig die Orientierung verlieren. Es reicht, zwischen „GSB“ und „GBH“ planlos den Kopf zu schwenken. Zusätze wie DFR, DRV, RE, RCT u.a. konnte mir der Mitarbeiter des Superwerkzeugfachhandels auch nicht erklären. Dort, so war ich fest entschlossen, wollte ich gestern eine Bohrmaschine kaufen, nicht im Baumarkt, wo ich mangels Ansprache mehrfach um ein Gespräch mit Personal herumgekommen war, und nicht im Internet, beispielsweise bei Amazon. Dort nämlich bestellen laut Fachhandelsverkäufer alle Kunden, die sich wie ich vor Ort beraten lassen, Preise vergleichen und dann von dannen ziehen. Bloß günstigst kaufen, durchaus ein pathologischer Umtrieb und ein eigenes Thema wert. Dass ich Preise einzelner Geräte im Notizzettel meines iPhones notiert hatte, machte mich bald verdächtig. Dass ich normalerweise im Internet recherchiere, mich vorinformiere um dann im stationären, analogen Geschäft zu kaufen, kam dem Herren mit den magnetisch aneinander haftenden Brillenhälften nicht in den Sinn. Ob ich noch mal die Gelegenheit haben werde, ihm das bei meinem Kauf zu erläutern, weiß ich nicht. Denn das Gespräch mit ihm hat mich – bedauerlicherweise! – tatsächlich auf die Idee gebracht, online zu kaufen. Denn keine wirkliche Beratung bekomme ich auch im Netz, allerdings muss ich mir dort nicht unwissend, ja regelrecht dumm und naiv vorkommen. Es bedurfte einer gewissen bewussten Gelassenheit, nicht bald das Weite zu suchen. Wie Bohrhämmer funktionieren, und was sie technisch vom Schlagbohrer unterscheidet, wusste ich nicht; auch nicht, was SDS ist, geschweige denn in der Variante „max“ oder „plus“. Woher auch? Und warum auch, zum Teufel?! Als ich die Schlagbohrmaschine meines Vaters (ich glaube, es war eine blassblaue AEG, mit Hammer-Symbol und Bohrer-Symbol an einem Umschalter, und in Kinderohren beängstigend laut) zuletzt in den Händen hielt,  wurde der Bohrer noch mit Hilfe eines Bohrfutterschlüssels arretiert, und ich wurde unterwiesen, darauf zu achten, dass der auch senkrecht im Futter sitzt und nicht „eiert“. Das ist auch schon mindestens 25 Jahre her.

Zurück zu meiner ungelösten Aufgabe: unbefriedigt, fasst schon etwas unglücklich über die nicht erfolgte Ausrüstung mit dem begehrten und im Haushalt auch benötigten Gerät, fuhr ich wieder nach Hause. Ein schlechtes Gewissen hatte ich obendrein, denn meiner Frau hatte ich versprochen, endlich das Windlicht an der Balkonwand zu befestigen (auch hier ein Nagelkiller, nur mit Hammer und Metallstift aussichtslos), die Pinnwand aufzuhängen und dies und das zu erledigten, was ich wegen fehlenden Werkzeugs bislang aufschieben konnte. Nächster Schritt: zurück ins Internet, auch zu Amazon und auf die Website von BOSCH. In Foren gibt es Rat, aber auch der ist für mich nicht eindeutig nachvollziehbar. Ich will doch in den Fachhandel, ich suche das persönliche Gespräch und ich möchte mit jemandem Reden, der mir eine eindeutige Empfehlung macht und mir letztlich tatsächlich auch etwas verkauft. Fast wäre es am Samstag Vormittag ein „GSB“ geworden, aber auf den Hinweis, dass mir der Magnetbrillenmann dann auch noch Bohrer verkaufen müsse, kam der Hinweis, dass es für das klassische, alte Bohrfutter nur sehr wenig Auswahl gebe – die meisten Einsätze seien schon für SDS-Systeme gemacht, mit den länglichen Rillen am Schaft, wegen der Beweglichkeit im Zusammenspiel mit dem Hammerwerk. Dass ein zweites Bohrfutter notwendig sei, wenn ich mal in Holz oder Metall bohren will, oder in eine Mauer ohne zu hämmern, hat mich vollends verwirrt. Hammerwerk abschalten allein reiche nicht aus, erfuhr ich. Mangels konsistenter Erklärungen und dem Willen, sich mir und meiner Unwissenheit mit etwas mehr Zuneigung zu widmen, als das bei den sicherlich normalerweise fragenfrei einkaufenden Profis erforderlich ist, kam ich nicht ans Ziel, und so bin ich immer noch auf der Suche nach der Antwort auf meine Frage, welche Schlagbohrmaschine ich sinnvollerweise kaufen soll. Vielleicht schreibe ich morgen mal dem Hersteller oder rufe dort an. Könnte ja sein, dass die Mitarbeiter von BOSCH selbst die eine oder andere hilfreiche Idee dazu haben. „It’s in your hands“, um es mit ihren eigenen Worten zu sagen.

Da Probieren bekanntlich über Studieren geht, habe ich zwei alte Maschinen bei einem Freund geliehen, um damit erste eigene Dreh-Drück-Versuche in vivo zu machen.

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Ich hoffe, dass die Praxis hilft, eine gute Entscheidung zu treffen. Sollte die Umsetzung, d.h. auch der Umsatz, dann im Netz erfolgen, so hat es der Fachhandel in diesem Fall mal wieder nicht besser verdient. Der größte Feind des Einzelhandels ist der Einzelhandel selbst, wie mir immer wieder scheint.

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Laube. Liebe. Hoffnung?

Laube. Liebe. Hoffnung? Lokal-Termin in Frankfurt.

Laube:

Ein ungewöhnlicher Bau in etwas gewöhnungsbedürftiger Umgebung der Trabantenstadt auf dem früheren Güterbahnhofsgelände. Ganz schick, wahrscheinlich auch „cool“, mit offener Küche, schmal und länglich, und wahrscheinlich in kalten Jahreszeiten auch gemütlich. in der Sommerhitze sitzt man ganz angenehm draußen, auf schweren Stühlen und unter Sonnenschirmen; mit der Dämmerung kommt angenehme Beleuchtung dazu. Die Location gefällt, wir haben uns bezüglich der äußeren Rahmenbedingungen wohl gefühlt.

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Liebe:

Der erste direkte Kontakt zum Personal ist der telefonische, um anzufragen, ob der für 20:30 Uhr online reservierte Tisch schon früher zur Verfügung stünde. Die Dame spricht deutllich, nennt ihren Namen und ist sehr nett – ein sehr guter Auftakt! Man können es nicht versprechen, würde es aber versuchen, ein freier Tisch ggf. 30 Minuten vorher sei machbar, gerne könne man die Wartezeit mit einem Aperitif an der Bar verbringen. Auch die Begrüßung ist gut, die für die Reservierung und Platzierung zuständige Mitarbeiterin ist im persönlichen Kontakt nett, gut gelaunt, zupackend und sympathisch. Wir bekommen einen Tisch, werden über den Abend hinweg gut bedient und fühlen uns in Sachen Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, d.h. in puncto Service gut bedient. Besonders erwähnenswert finde ich, dass wir alle Weine probieren durften, die uns zum Essen interessierten. Anstandslos, man hätte auch noch ein oder zwei weitere Probiergläser gebracht, damit wir den richtigen Wein finden. Die Weinauswahl ist hinsichtlich Auswahl und Preise angemessen und bietet unbekannte(re) Weine abseits vom Mainstream der (Frankfurter) Gastronomie.

***

Hoffnung:

Der Laden: check! Die Leute: check! In der B-Note gibt’s hohe Punktzahlen und durchweg vier Sterne. Es gibt allerdings einiges in unserer Wahrnehmung, bei dem deutliches Verbesserungspotential besteht – leider auch und vor allem in der Disziplin, die für die A-Note die wichtigste ist: Essen.

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Gleich vorweg: es war einiges gut, manches ok, anderes inakzeptabel.

Die Tomatenkaltschale erweist sich als lecker, in ihrer schieren Menge (Gemüse, so viel Gemüse!) als unbezwingbar und sättigend, dass das als kalter Hauptgang anzubieten wäre. Gut gemeint, ich will Sparportionen nicht das Wort reden, aber das war zuviel, auch ein bisschen zu scharf auf Dauer.

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Die Zuckererbsensupper war sehr lecker, ich habe nichts auszusetzen, außer dass diese auch an einem Tag brütender Hitze hätte heißer sein müssen.

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Zu den Hauptspeisen: Kalbsleber in dünnen Scheiben, weich und saftig. Prima. Aber der Rest! Und das Anrichten! Ein riesen Haufen, seitlich das Pürree, hinten die Leber, dazwischen wiederum etwas, das wohl gut gemeint, leider im Ergebnis aber übertrieben und untauglich wirkt: kleine Perlzwiebeln sind eine gute Idee, finde ich, um von der „normalen“ Zwiebel zur Leber abzuweichen. Apfel dazu? Ich mag’s nicht, aber die hier untergemischten Scheiben lasse ich mir gefallen. Zuviel wird’s spätestens mit den Trauben, also eigentlich Wein- oder Tafelbeeren, riesig, dafür halbiert aber immer noch zu groß, und viele davon. Zu viele. Eine kleine Strauchtomate dekoriert, begleitet von Sprossen, Süßkartoffelchips (nicht knusprig) und einer Blüte. Die gab’s zuvor schon in der Suppe und in der Kaltschale (eine andere, weiße Blüte), und auch dieses Detail ist des Guten zuviel. Überlasst doch diese (schmucken!) Tellergirlanden den Thailändischen Restaurants. Was fehlt? Mehr von der leckeren Sauce! Eine Kalbsleber, die überinterpretiert wird, mit zuviel von fast allem und einem Geschmackserlebnis, das nicht schlüssig ist.

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Die größte Enttäuschung (im wörtlichen Sinne) war die „Abendempfehlung“. In einem uns unbekannten Lokal würde wir nie das teuerste Essen bestellen, und wenn uns unsere Erinnerung nicht täuscht, bekamen wir mit dem zweiten Hauptgang genau das: das teuerste Essen. Flussbarsch auf Risotto für 28 Euro, mit Pilzen und Erbsen (!?), einer gelben und einer grünen Sauce und einem weißen Schaum, eher einem Schäumchen, das wir wohl zeitgemäß als „Espuma“ bezeichnen müssten. Abgesehen vom Preis an sich, über den man noch diskutieren könnte und nach dem wir uns – Auswahlverschulden, würde der Jurist sagen – leider schlicht nicht erkundigt hatten, ist das Hauptproblem das der Preiswürdigkeit, die nicht gegeben ist. Auch dieser Teller ist ein Beispiel des „zuviel“, leider aber auch des „nicht gut“: das Risotto ist keins. Punkt. Das ist eine Reisbeilage, für die man bei einer italienischen Hausfrau bestenfalls ein mitleidiges Lachen erhält. Mit der Mischung aus Hülsenfrüchten und Pilzen ergab sich auch hier kein „ach ja“, „oh, gut“, „hmm, wie lecker“ oder „hätt’ ich nicht gedacht, das merke ich mir“. Es war gelinde gesagt nicht schlüssig. Das schlechteste zum Schluss: der Fisch. zu trocken, zu lange gegart. Leider. Nicht schlecht, und wir hätten das ganze zurückgeben können, ja. Wollten wir aber nicht, weil wir keine Lust auf Reklamation, Rechtfertigung und Wartezeit hatten. Dafür sind 28 Euro schlicht nicht in Ordnung, weswegen wir die unvorsichtige Wahl der Abendempfehlung reuen.

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Der Molitor-Sekt (0,1 für 6,50 Euro) enttäuscht, da gäbe es im Rheingau besseres und günstigeres, auch wenn der Winzer keine 100 Punkte hat), ein „Lillet Berry“ für 7,50 Euro ist womöglich angemessen, wenn man sich in der Gastro umschaut, ebenso die 7,30 Euro für eine Flasche „BlackForest“ Mineralwasser. So richtig freundlich fanden wir keinen der Preise, Lust auf mehr kommt kaum auf, und es wäre schön, wenn der Espresso zum Schluss seinen Namen verdiente. Zuviel auch hier, leider sauer und überextrahiert, keine Crema – für 2,20 Euro nicht teuer, aber für die Qualität des Produkts leider auch nicht angemessen.

Zwei weitere Kleinigkeiten: die Baulampen an den Stufen der Terrasse weichen ja vielleicht bei Gelegenheit noch moderneren und schickeren Exemplaren, wie sie im Turm des Gebäudes zu sehen sind (LED?). Und ein kleines Gebläse zum Trocknen der Hände im WC ist in meinen Augen nicht zeitgemäß, hält auf und nervt. Vielleicht kann man hier mal Papierhandtücher vorhalten, wenigstens ergänzend. Wenn das Konzept wirtschaftlich aufgeht, sollte dafür Geld übrig sein.

Wir sind ent-täuscht von unserem ersten Besuch. Ob wir wiederkommen, wissen wir noch nicht. Aber irgendwie wäre es schon toll, wenn „Laube Liebe Hoffnung“ ein lohnendes Ziel wäre. Es hatte so gut angefangen. Und einen so langen Text schreibe ich irendwie auch, weil ich mir wünsche, dass die Menschen der Laube ihre Liebe noch ein bisschen ausbauen und uns Gästen Grund zur Hoffnung geben.

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Ultraschall

Den Aufenthalt in einer Notaufnahme kann ich nicht empfehlen.Dass Ärzte beim Ultraschall etwas erkennen können, habe ich mit laienhaften Blick auf das Schlierenbild in Graustufen eigentlich schon immer bezweifelt. Den Beweis lieferte vor ein paar Jahren die Notaufnahme in Ludwigsburg und jüngst jene des Uniklinikums in Frankfurt. Den Muskelabriss in der Wade erklärte man mir als Muskelfaserriss, eigentlich nicht mehr als ein schlimmer Muskelkater; die Gallenkolik wurde, nachdem der Infarkt mit zweitem EKG und erweitertem Blutbild ausgeschlossen war, zur Gastritis erklärt. Wundersamerweise habe selbst ich beim Kontroll-Ultraschall heute Dinge gesehen, die ich sah, weil man sie nicht übersehen kann. Eigentlich. Wenn man hinschaut. Und nicht so muffelig-lustlos den Schallkopf über den Bauch fährt. War ja auch bald Schichtende, wie ich von der Ärztin erfahren habe, die um sechs die Frühschicht antrat und den jungen Kollegen ablöste, nachdem dieser sich grußlos verabschiedet und zum Befund nichts gesagt hatte. Wie auch, der er hatte anscheinend keinen. Richtigen. Nach knapp zwei Wochen Magensäurereduktion und Alkoholentzug – die warnende Schilderung der Ärztin enthielt die Worte Fettleber, Diabetes, Leberzirrhose, Transplantation und andere – war jetzt ein Internist mit der Nachuntersuchung dran. Mit Ultraschall. Mit Erläuterung dessen, was er sieht und was er davon hält. Mit deutlichst erkennbaren Gallensteinen. Von denen hätte auch ein übermüdeter Assistenzarzt mindestens fünf sehen müssen. Diese fünf habe ich gezählt, aus etwa zweieinhalb Metern Entfernung. Der Schluss: das Ding muss raus, bald. Auf zur Cholezystektomie. Darauf trinke ich heute mit meiner Verlobten erst einmal einen schönen Wein…! 

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Auf dem Weg: RUX Sauvignon Blanc „Überm Weg“

„Stachelbeeere!“ schien der Sauvignon Blanc aus dem Remstal zu schreien, jeder den ich letzten Januar in der Fellbacher Kelter probiert hatte. Meist durchaus lecker, aber leider auch fast alle einander sehr ähnlich und damit eintönig. So ist mir der Württemberger Sauvignon Blanc meist begegnet und ich trank ihn selten. Mit Müller-Catoir habe ich einen zuverlässigen Dealer in der Pfalz, Villa Vitas ist zuverlässiger Partner im Friaul, um nur zwei zu nennen.

Nun ergab es sich, dass mir ein Sauvignon Blanc über’n Weg (falsch, aber des Wortspiels und der Weintrinker aus dem Ruhrgebiet wegen: über’m Weg) lief, mit dem ich nicht gerechnet habe. Zum einen wusste ich gar nicht, dass es ihn gibt (Stand heute für den Jahrgang 2012: gab), zum anderen wusste ich nicht, was in der Flasche ist. Jetzt weiß ich es, und ich bin überrascht.
*Alle Freunde der Stachelbeere, der offensiven Frucht und Exotik können hier aufhören zu lesen*

Trocken, etwas verhalten und mit leisem Duft kommt er daher, unaufdringlich und für mich ungewöhnlich, vor allem unerwartet. Und er ist so mineralisch, dass er fast knusprig wirkt, man beinahe anfängt zu kauen. In der Nase dezent, im Mund knackig, mit einem kleinen Hauch Stachelbeere und, vielleicht den herbstlich getunten Geschmacksknospen geschuldet, mir kommt (merkwürdigerweise?) Quitte in den Sinn. Auf dem Berg ist er noch nicht angekommen, auf dem Weg dort hin ist er vielleicht. Wenn es einen 2013er geben wird, bin ich auf jeden Fall am Start!

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RUX – Überm Weg 2012 Sauvignon Blanc

 

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RUX – Überm Weg 2012 Sauvignon Blanc

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Verkostungsnotiz vom 28.12.2013)

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Missa Solemnis – Gardiner II – Mit Staunen hört das Wunderwerk

Es ist schier unfassbar, was die Sänger, insbesondere die des Chores, leisten. Alleine Gloria und Credo hauen einem die Mütze vom Kopf, pusten die Ohren durch, während die Augen den Noten im KA folgen, hoch konzentriert, staunend, mitgerissen und euphorisch. Das ist nicht nur eine Messe, das ist eine ganz Hohe Messe, große Kunst und höchstes Gotteslob mit Verve, Inbrunst und Engagement. Spontan nominiere ich diese CD zum „Best Buy“ des vierten Quartals, und sie ist sicherlich eines der Highlights des Jahres, wenn nicht sogar „Best Buy 2013“. Und dabei habe ich von Kyrie, Sanctus und Agnus Dei noch gar nicht gesprochen… 

Beethoven: Missa Solemnis, John Eliot Gardinder, Monteverdi Choir ©SGD

Beethoven: Missa Solemnis, John Eliot Gardinder, Monteverdi Choir ©SGD

Übersetzungen sind nicht so meins, dennoch habe ich es versucht und diese Version auf der Facebook-Seite des Monteverdi-Chores veröffentlicht:

It is just about unbelievable, inconceivable, what the singers, especially those in the choir, accomplish. Gloria and Credo alone knock my socks off, clear the ears, while the eyes follow the notes in the vocal score, highly concentrated, amazed, swept away, euphoric. That is not just a mass, that really is a High Mass, great art and highest praise of God, with panache, fervor and dedication. I spontaneously nominate this recording as Best Buy“ of the fourth quarter, and it surely is one of this year’s highlights, if not even „Best Buy 2013“. And I haven’t even mentioned Kyrie, Sanctus and Agnus Dei…

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A big Hooray for Susie K.!

Ein Fundstück am Sonntag. Drei versuchte Limericks zum Geburtstag meiner früheren Schulorchester- und Band-Direktorin.
Der Pauker war ich…
 
A big Hooray for Susie K.!
 
There was a conductress named Susie,
You had to be there so you could see
How she led the Blue Bands,
And leading with firm hands,
She made us her sounding jacuzzi.
 
A young German nick-named „Hans Solo“,
Unwilling to play the piccolo.
He thought for a glimpse,
Then settled for timps
And was blessed with a one-year crescendo.
 
There once was special conductress,
Whose love for our music was trendless.
She harnessed us teens,
Showed what music means,
Our affection in turn will be endless.
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Shockwork Orange – Enttäuschte Erwartung an das Unwiderstehliche

Was für ein arroganter Name: Himmel auf Erden. Geht’s ein bisschen kleiner?
Vorgeschichte:
Ich erinnere mich beim Lesen des Namens im PDF von Calistoga an Graf Adelmanns „Das Lied von der Erde“ – als Klassikfan, begeistert insbesondere auch für die Musik Gustav Mahlers, dachte ich: „Was für ein arroganter Name!“, und kam nicht umhin eine Flasche davon zu kaufen. Sehr geiler Name! Der Versuch ging ärgerlich schief (im Gefrierfach vergessen, „aufgefroren“, teure Schusseligkeit und Eile) und endete sozusagen gleich mit dem ersten Satz von Mahlers Sinfonie, dem „Trinklied vom Jammer der Erde“, nur dass ich ohne Trank mit dem Jammer allein war. Ein zweiter Versuch, zusammen mit meinem Vater (eine Quelle meiner Musikliebe und auch Mahlerfan), ist später geglückt. Ein toller Wein, aber es bleibt beim einem arroganten Namen…
Vom Lied nun direkt in den Himmel: kein Bier, kein Manna, Wein soll es sein, der mich dort hinführt.
Gemäß dem telefonischen Rat der netten Sommelière (liebe Grüße an Bianca!) habe ich den Wein dekantiert. Nein, karaffiert natürlich („dekantieren“ und „karaffieren“ sind beim Wein, was „Panierung“ und „Panade“ beim Essen sind).

Christian Tschida, 2010 Scheurebe maischevergoren

Christian Tschida, 2010 Scheurebe maischevergoren

Trüb und schmutzig, auch im Geruch und Geschmack. Es erinnert, verstärkt durch die Zeichnung auf dem Etikett, an Dinge, die ich hier gar nicht zu benennen wage. Nicht vom Duft, aber von der Art, schmutzig, etwas abstoßend und doch anziehend zu sein. Ich kann dann doch nicht davon lassen. Und das ist dann schon auch geil, in welchem Sinne des Wortes man das auch immer verstehen mag.
Mostig ist die Brühe, Apfelmost und Federweißer kommen mir in den Sinn; etwas säuerlich ist er und irgendwie ganz anders, als ich ihn mir seit Tagen der Vorfreude ausgemalt hatte. Wie genau, kann ich gar nicht sagen. Aber anders. Leckerer. Umarmend-einnehmend leckerer.
Kolophonium ist dabei, und das kam mir schon vom Wort sehr lange nicht mehr in den Sinn, war quasi gestrichen… sowas wie Zesten von Zitrusfrüchten, herb in der Nase und im Mund, und ziemlich kurz. Schluck und weg. DAS soll der Himmel auf Erden sein? Sowas kann nur einem morbid-masochistischen Wiener einfallen. Aber dass man im Burgenland so drauf ist?!
Einen veritablen „Orange Wine“ habe ich in Karaffe und Glas, wenn ich Dirk Würtz richtig verstanden habe: „maischevergoren“ heißt das Zauberwort, und das steht sogar auf dem Etikett.
Der Wein hat Luft, der Wein hat Zeit, ich schreibe diese Zeilen und merke mit jedem Schluck des sich erwärmenden Weins, dass dieser sich verändert. Es bleibt die Säure, die hinten die Kehle kitzelt, es bleibt das Derbe im Charakter…und doch…kommen Noten zum Klingen, die ich nicht erwartet hätte… „Rive Gauche“ von Yves Saint Laurent klingelt in den Erinnerungswindungen des Hippocampus, Blumen, feucht-floral, weiße Blumen, die ich mir nie merken kann – sind es Lilien? Die standen doch neulich beim Thai in Stuttgart… „Und eine neue Welt entspringt“ wäre die Worte eines anderen musikalischen Österreichers für das, was ich jetzt im Glas habe. Faszinierend, vielseitig, vielschichtig und abwechslungsreich, das ist er auf jeden Fall. Er ist so stark anziehend, dass ich nicht davon loskomme. Allerdings wandern zwei Drittel wieder in die Flasche und werden morgen und Sonntag zeigen, was passiert. Was bleibt? Eine „geile Enttäuschung“ könnte ich es nennen, sicherlich „Wein am Limit“ und ich bin gespannt auf den 2011er Bruder dieses Weines, nicht „orange“, sondern klassisch (?) und wahrscheinlich zivilisierter.

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Bach Partiten – beredt, bescheiden, wunderbar!

Bach, Partitas 1, 5 & 6 – Murray Perahia – Sony Classical

Nun ist sie da, endlich: die zweite Lieferung der Bach’schen Partiten mit Murray Perahia. Die erste war ein Genuss, die zweite ist es ebenso. Vielleicht klingt die aktuelle CD noch ein bisschen besser, ich meine, der Flügel wäre mir noch angenehmer im Ohr…

Gleicher Ort, der alte Sendesaal 1 des Rundfunks der DDR in der Berliner Nalepastr., wunderbare Akustik, eine perfekt intonierter Flügel und die akribische Vorbereitung des Pianisten versorgen den Hörer mit einer weiteren Runde puren Glücks. Daran hat auch das erneut mit der Aufnahme betraute Team um Andreas Neubronner seinen Anteil, denn die CD ist von der technischen Seite her mal wieder perfekt gelungen.

Allen, deren pianistische Hausgötter Glenn Gould oder Martin Stadtfeld heißen, letzterer als jüngster Exportschlager der Klaviermaschinisten scheinbar auf den Spuren des Kanadiers unterwegs, mag diese Aufnahme eher nicht empfohlen sein, ich befürchte Enttäuschung und die unerwartete Konfrontation mit Musik – man hört hier nicht den Pianisten, man hört hier nicht die schnellste aller Correnten, man hört keinen manierierten Gestaltungswillen und kein großes, künstlerisch eingebildet-wertvolles „Ich bin’s“. Man hört Musik, die so sicher, so bescheiden und unaufdringlich, eindringlich und schön daher kommt, dass man sich schwerlich davon trennen möchte, wenn ein Stück oder gar die CD zu Ende ist…

Es gibt sie noch, die Glücksfälle, die wunderbaren, teilweise sensationellen Aufnahmen. Hier ist eine davon und ich wünsche allen, die damit etwas anfangen können, viel Vergnügen.

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Mendelssohn mit mehreren Unbekannten

Mendelssohn Discoveries – Rare Piano Works
Roberto Prosseda, Decca Italien

Als ich vor einiger Zeit bereits kurz und oberflächlich in diese Aufnahme hineinhörte, da legte ich sie weg, weil ich vom Spiel des mir unbekannten italienischen Pianisten, vom Klang des mir ebenso unbekannten italienischen Flügels, vom Klang der italienischen Aufnahme und vom ersten Eindruck der nicht nur mir völlig unbekannten Werke Mendelssohns nicht sonderlich beindruckt war.
Doch mein CD-Geschäft in Stuttgart wollte wohl diese CD fördern und stellte kürzlich einen ganzen Stapel davon zu den Neuerscheinnungen. Ich kam, sah und zögerte. Doch die Neugier überwog, ich nahm mir zum Hören mehr Zeit und schließlich die CD mit nach hause – vorweg: gut so!

Der Unbekannte, Roberto Prosseda (www.robertoprosseda.com), spielt auf einem Unbekannten (Borgato L282, http://www.borgato.it), der Tonträgerwelt bislang Unbekanntes von Felix Mendelssohn Bartholdy, aufgenommen im Jahr 2005 von einem italienischen Team der Universal Music Italia s.r.l. (CD 476 303 8).

Anfangs erinnert mich das Gehörte an einen älteren Flügel, aufgenommen in einer mittleren Schulaula. Außerdem habe ich beim Hören das von mir nicht näher beschreibbare Gefühl, daß bei der Mechanik des Instruments Ähnlichkeiten zu leichtgängigen Tastaturen aus den 20ern des vergangenen Jahrhunderts bestehen. Aber das nur am Rande…

Nach wenigen Minuten habe ich mich eingehört. Schöne Töne kommen aus diesem Instrument, das klanglich insgesamt an älteres erinnert, sich aber als obertonreiches Farbenwerk entpuppt.
Wo ich bei Prosseda anfänglich in ein paar Passagen eine gewisse mechanische Unzulänglichkeit vermutet habe entdecke ich mit der zeit einen unprätentiösen Musiker, der dieser wunderbaren Musik zu angemessenem Auftritt verhilft. Schöne Stücke und Stückchen, vom Vierzehnjährigen komponiert, bis hin zu scheinbar vertrautem (Nr. 6), bei dem man, wie so oft bei Mendelssohn, Anklänge zu großen Werken wie dem Elias hören kann und doch auf dem Pfad scheinbar bekannter Noten immer wieder neues und ungehörtes entdeckt.
Die mit über 78 Minuten ordentlich bestückte CD endet mit drei weltbekannten Titeln aus dem Sommernachtstraum, und doch sind diese Tracks in der Originalfassung des Komponisten erstmals so eingespielt worden. Der Hochzeitsmarsch beschließt ein wunderschönes Klavieralbum, das ich den Felix-Fans ans Herz lege.

Wer es als Rausschmeißer noch heftiger mag, der sollte dann im Anschluß die phantastische Liszt-Version des Heiratsklassikers mit Arcadi Volodos genießen (Live at Carnegie Hall, 21.10.98, Sony 60893). Wie? Nicht vorhanden? Auch kaufen!
In diesem Sinne viel Spaß mit Mendelssohn und Prosseda, vielleicht einen Prosecco dazu und einfach laufen lassen…

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Fußfehler – Vom Versuch, passende Tennisschuhe zu kaufen

Anfang Mai sollte es möglich sein, Tennisschuhe für das Spielen auf Sand zu kaufen. Dachte ich. Bis ich loszog, um meine Füße angemessen zu kleiden.

Die ersten beiden Trainingsstunden konnte ich mit Lauf- und Hallensportschuhen überbrücken, denn wir haben auf Kunstrasen und auf Teppich gespielt. Nun soll es aber raus auf die Sandplätze gehen, und die will ich nicht mit groben Sohlen umgraben – vom absehbaren Ärger mit dem Platzwart mal abgesehen.

Als überzeugter, teils schon missionarischer Fan des Facheinzelhandels führt mich mein erster Weg direkt zum ortsansässigen Fachgeschäft. Nachdem ich auch nach mehreren ratlos vor der großen Schuhwand verbrachten Minuten nicht angesprochen wurde, ging ich selbst auf das Personal zu, um zu erfahren, dass man nicht nur keine Tennisschuhe führt, sondern generell keine Ausrüstung für Ballsportarten anbietet.

Überrascht ging ich weiter zum Sportfilialisten in der nahegelegenen Einkaufsgalerie (im Sinne der Namensgebung dieses Hauses sollte ich vielleicht „Einkaufgalerie“ schreiben…). Der freundliche Verkäufer wies mich darauf hin, dass der große Zeh unbedingt genug Platz braucht, damit er beim Abstoppen nicht dauernd an die Kappe stößt, was auf Dauer schmerzhaft wird. Gut, sich dessen bewusst zu sein.

Schuhe sind vorhanden, nur mit der Größe hapert es. Dass ich bei den Laufschuhen auch schon US-Größe 12,5 bis 13 trage, war mir nicht bewusst und so schrumpft die Auswahl. Ich mache mich mit dem Gedanken vertraut, dass ich die Schnäppchen für 60 Euro nicht mehr bekomme und dass ich möglicherweise bis zu 130 Euro ausgeben muss.

Ein erstes Fazit: die Marke, die namentlich an die Schweiz erinnert, scheidet aus: ästhetisch nicht tragbar. Lieber würde ich barfuß spielen. Die Marke meiner Laufschuhe ist schick, leider aber teuer und nicht in der benötigten Größe vorhanden. Also weiter, zurück zum Auto und noch schnell ins Einkaufszentrum außerhalb der Stadt. Dort hat das namensgebende Kaufhaus eine Sportabteilung. Tennis? Fehlanzeige! Nein, nicht ganz, man bietet doch ca. sechs verschiedene Schuhe an. Warum, das weiß auch der Verkäufer nicht, denn alles andere, wie Schläger, Bälle und Griffbänder, hat man aus dem Sortiment verbannt.

Auch hier wieder die „Schweizer“ – hässlich wie die Nacht, aber kein Paar passt richtig. Zum Glück, dachte ich mir dann schon.

Nach dem schon erwähnten Hallentraining an diesem Abend ging ich nun wieder los. Auf in die Großstadt, Haupteinkaufsstraße. Es lockt der allem Anschein nach gut sortierte Filialist aus München. Ein Sportkaufhaus mit nettem Personal, großer Auswahl und angenehmer Atmosphäre. Passende Schuhe? Fehlanzeige. Immerhin schickt man mich in die Sportabteilung eines großen Kaufhauses um die Ecke. Es ist eines der Häuser der beiden Ketten, von denen ich nie weiß, welche denn nun eigentlich insolvent ist.

Die Einrichtung schreckt etwas ab, ein unterklassiges Kaufhaus, ein bisschen im Stil wie vor vielen Jahren die Bekleidungsabteilung des damaligen Massa-Marktes in Hattersheim. Nach intensivem Blickkontakt und zwischenzeitlichem Selbersuchen in den Regalreihen macht sich der Verkäufer auf den Weg zu mir. Der Wunsch ist klar, die Schuhe kosten fast alle um die 100 Euro und sind… unfassbar hässlich! Plastik, viel, viel unansehnliches Plastik. Entweder in billigen Blautönen oder aber bunt und mit merkwürdigen Verzierungen, Löchern, Riemen und sehr unstylischen Ausformungen.

Tennisschuh Sandplatz

So sehen keine Tennisschuhe aus!

Nach mehreren Schuhen bekannter Marken (mit Swoosh, drei Streifen oder anderen Insignien der Wiedererkennbarkeit) hatte ich schon aufgegeben. Da greift der Mitarbeiter dieser unwirtlichen Konsumstatt zu den Kartons einer anderen amerikanischen Marke. Weiß. Aus Leder. Schlicht. Nur ein kleines, rundes Logo mit einem Buchstaben ziert die Seiten. Und sie passen! Hoffentlich passen sie, da bin ich mir bei Schuhen immer unsicher und so bin ich auf den ersten Test in drei Tagen gespannt. Das beste daran war schließlich der Preis: 40 Euro. Das ist ein überschaubares Risiko.

Ich freue mich darauf, die neuen Tennisschuhe, meine ersten nach etwa 18 Jahren, endlich mit rotem Sand zu taufen. Und ich frage mich, weshalb es so schwer ist, ein gutes, das heißt vor allem auch gut sortiertes Sportgeschäft zu finden. Diese Gedanken allerdings, zum Einzelhandel und unserem Konsumentenverhalten, wären eine eigene Betrachtung wert…

„Time“!

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